Ein Widerstandskämpfer – Der Coppiplatz

img

Ich werde beobachtet! Die Kombination des kühlen Lufthauches und meines paranoiden Denkens lässt das Bild der dunklen Gestalt überall erscheinen. Die Vorstellung verfolgt zu werden geht mir tierisch auf den Zeiger und ich ärgere mich, dass mich der Typ an der Haltestelle so verunsichert hat. Um es also gedanklich zu streichen, abzuschließen, verschaffe ich mir einen Überblick. Der Obststand ist leer, nur der Verkäufer räumt die letzten Kisten rein. Im faden Licht, ausgehend vom Asia-Bistro, sehe ich zwei Leute mit Lichtpunkten und aufsteigendem Rauch, wohl keine Bedrohung. Ich lächle. Straßenlaternen sparen die Mitte der Grünanlage aus, dort steht eine Bank und genau da erkenne ich ihn, sitzend, vornübergebeugt, das ist keine Einbildung. Die Kapuze fängt das Licht auf, verhüllt sein Gesicht im Schatten. Die Äste der Bäume im Hintergrund wirken wie Fangarme, die sich nach mir strecken, ich fixiere ihn und kann nicht ablassen. Er steht auf!"

Quelle: Manuskrip Die Hand - Gabe der Generationen" 

Bedeutende Plätze, die mit ihrem historischen Hintergrund Generationen unterhalten, imposante Bauwerke, die Menschen aus der ganzen Welt anlocken und Straßen, die weit über die Grenzen Deutschlands bekannt sind. Leipzig beherbergt viele dieser einmaligen Schauplätze, egal ob farbenfroh und glänzend oder blass und matt, aus ihnen spricht die Vielfalt einer wunderschönen Stadt. Der Coppiplatz, ein kleiner, grüner Platz ist Teil dieser Vielfalt. Zwar steht er im Schatten der großen, lichtgefluteten Anlagen, doch trägt er einen bedeutungsvollen Namen. Als Dorfzentrum bekannt, einst namenlos, beliebter Treffpunkt der Gemeinde Gohlis und Mittelpunkt eines noblen Viertels, erfüllt er heute die Aufgabe als Knotenpunkt des Leipziger Nah-und Fernverkehrs. Dem Platz treu geblieben, ist eine denkmalgeschützte Handschwengelpumpe und eine kleine Grünfläche mit 2 Bänken. Der Coppiplatz, das Tor zum Franzosenviertel spielt aber eher mit seinem Namen als mit seiner Erscheinung. Denn wo die ehrfürchtige Erinnerung an den deutsch-französischen Krieg ein Viertel mit Straßennamen prägte, verneigt sich Leipzig nun vor Hans und Hilde Coppi. Die Coppistraße, der Platz und das ehemalige Coppi-Lichtspiele Kino stehen sinnbildlich für die Verehrung mutiger Widerstandskämpfer in einer Gegend deren Bruchstücke an den Umschwung, die Gründerzeit erinnern. Passstücke, die ineinander greifen, sich die Hand geben. Hier lebt der Leipziger fern vom Tourismus, in stuckbesetzten Altbauwohnungen der Jugendstilzeit. Geprägt durch den Industrieaufschwung der 1900er Wende, hat dieser Ort aber nie seinen Glanz, seinen architektonischen Charme und das Leipziger Wohlgefühl verloren.

Autor: Mathias Kaak
Foto: Thomas Schmidt Photography