Chancen und Gefahren des Bitcoin

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Chancen und Gefahren des Bitcoin

Bitcoin und andere Kryptowährungen sind in aller Munde. Manche halten sie für das Ende des Abendlandes. Andere für die genialste Erfindung seit dem Rad. Selbst die Nationalen Zentralbanken sind uneins: Während in Marokko der Handel mit digitalen Währungen strafrechtlich verfolgt wird, haben die Niederländer mit dem DNBcoin eine eigene Kryptowährung geschaffen. Was ist der Bitcoin wirklich?

Wie funktioniert das traditionelle Geldgeschäft?

Seit dem Ende des Tauschhandels fußt der Geldverkehr auf Vertrauen. Der Verkäufer tauscht eine Ware gegen ein Stück Papier oder eine Münze und vertraut darauf, dieses Geld gegen eine andere Ware eintauschen zu können. Bei traditionellen Geldgeschäften sind zwei Partner involviert. Da der Verkäufer nach dem Handel die Münze in der Hand hält, kann er sicher sein, dass diese Münze vom Käufer kein zweites Mal ausgegeben wird. Was sich wie ein Allgemeinplatz anhört ist schon bei einer Überweisung problematisch. Der Verkäufer kann nicht sicher wissen, dass das virtuelle Geld nicht schon anderweitig verwendet wurde. Er vertraut der Bank, dass sie exakt Buch führt und nicht plötzlich zwei Verkäufer Anrecht auf die gleiche Münze haben. Die Bank kontrolliert und steht dafür gerade, dass der Euro eines Kontos nicht zweimal ausgegeben wird. Konsumenten der ganzen Welt vertrauen darauf, dass die Banken dieser Aufgabe auch nachkommen. Ohne dieses Vertrauen würde das moderne Bankwesen zusammenbrechen. Das droht in Venezuela, das sich in einer existenziellen Wirtschaftskrise befindet. Die Menschen dort trauen der eigenen Währung, dem Venezulanischen Bolívar, nicht mehr.

Wie funktioniert der Bitcoin?

Der Bitcoin ist eine digitale Währung, welche die Banken als Kontrollinstanz ausschließt. An ihre Stelle tritt die sogenannte Blockchain, die man sich wie ein gigantisches Kontobuch vorstellen kann. Tausende Rechner verifizieren Bitcoin-Transaktionen. Sie führen gemeinsam Buch über den Verbleib einzelner Bitcoins. Sobald eine Mehrheit der Rechner eine Transaktion verifiziert, wird ein neuer Block am Ende der Blockchain eingetragen. Dazu muss ein einzigartiger Code des vorausgehenden Blocks in den neuen Block integriert werden. Da sich der letzte Block praktisch permanent ändert und die beteiligten Rechner dezentral in der ganzen Welt stehen, scheint es kaum möglich die Blockchain zu hacken.

Satoshi Nakamoto hat 2008 den Bitcoin und die Blockchain-Technologie erfunden. Wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt ist bis heute nicht sicher geklärt. Wir wissen nicht einmal, ob es sich um einen einzelnen Menschen handelt oder eine Gruppe. Aber er war der Erste, der das Problem der Doppelverwendung einer virtuellen Münze löste. Das heißt: ohne Einschaltung einer Bank zu verhindern, dass jemand sein virtuelles Geldstück mehrfach ausgeben könnte.

Chancen des Bitcoins

Bei seiner Einführung wurde der Bitcoin unter 1 $ gehandelt. Ende 2017 musste man für einen Bitcoin um 20.000 $ bezahlen. Wer anfangs nur mit 100 $ eingestiegen wäre, und auf dem Höhepunkt verkauft hätte, hätte ein Vermögen gemacht. Mittlerweile ist der Bitcoin wieder auf etwa 8000$ gefallen. Diese starke Volatilität macht ihn für Trader interessant, denn Trader können auch bei fallenden Kursen Gewinne machen, indem sie leerverkaufen. Short gehen, wie es im Börsenjargon heißt.

Der Bitcoin ist anders als andere Währungen nach oben gedeckelt. Das heißt, es wird nie mehr als die anfangs geplanten 21 Millionen Bitcoins geben. Im Verhältnis zu anderen Währungen ist das ein sehr kleines Volumen. Durch die Deckelung sollte der Bitcoin theoretisch bei wachsender Nachfrage permanent im Preis steigen. Das würde ihn auch für Langzeit-Anleger interessant machen, aber praktisch sind die Kursschwankungen so gewaltig, dass vor allem Trader mit kurzfristigen Trading-Zielen den Bitcoin als Chance wahrnehmen. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann die kostenlose Software Metatrader 4 Windows herunterladen und mit einem Demokonto kostenlos die Kursbewegungen beobachten.

Was sagen die Zentralbanken zum Bitcoin?

Viele Zentralbanken beobachten den Bitcoin und andere Kryptowährungen mit Misstrauen. Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi verglich den Bitcoin mit der Tulpen-Blase im 17. Jahrhundert. Damals erzielten die Tulpenzwiebeln astronomische Preise. Sie wurden zu hohen Preisen eingekauft, weil man sie zu noch höheren Preisen wieder verkaufen konnte. Bis einer merkte, dass Tulpenzwiebeln eben doch nur Tulpenzwiebeln sind, und die Blase platzte.

Auch andere Ökonomen wie Howard Wang oder Jeremy Grantham halten den Erfolg des Bitcoins für eine Blase. So schrieb Grantham im Januar:
"... Da es keinen klaren fundamentalen Wert und weitgehend unregulierte Märkte gibt, gepaart mit einer Geschichte, die zu Größenwahn verleitet, deutet dies mehr als alles, was wir in den Geschichtsbüchern finden können, auf eine Blase hin…”

Die jüngsten Kursverfälle scheinen ihm Recht zu geben.

Auf der anderen Seite hat mancher ein Vermögen mit dem Bitcoin verdient und die Blockchain-Technologie bietet Anwendungsmöglichkeiten, die über den Währungshandel hinausgehen. Ethereum lässt kleine Programme durch eine Blockchain verifizieren. Mit Hilfe der Ethereum-Blockchain könnten beispielsweise Wahlen dezentral, anonym und geschützt vor Manipulationen durchgeführt werden. Momentan spielen Blockchains und ihre Kryptowährungen eine untergeordnete Rolle, aber das könnte sich in der Zukunft ändern.