Das Leben nach der Games Con

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Von 2002 bis 2008 pilgerten Ende August jährlich Gamer und Spieleinteressierte aus ganz Europa nach Leipzig um die Games Convention, kurz „GC“, zu besuchen. Mit bis zu 230.000 Besuchern, mehr als 500 Ausstellern und über 3000 Pressevertretern aus 45 verschiedenen Ländern war Leipzig sechs Jahre lang das Spieler-Mekka in Europa. Nur die Electronic Entertainment Expo, besser bekannt als E3, in Los Angeles und die Tokyo Game Show waren vergleichbare Spielemessen.

 

Es wurden neue Spiele, neue Projekte und angekündigte Neuerscheinungen präsentiert – und natürlich viel gezockt. Im letzten Jahr der Leipziger GC wurde sogar noch ein Besucherrekord aufgestellt, doch schon vorab kündigte der ideelle Träger, der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), den Umzug an den Rhein, nach Köln, an. Die Games Convention sei in Leipzig mit 200.000 Besuchern an ihre Wachstumsgrenzen gestoßen und man bräuchte einen Austragungsort mit einem größeren und noch internationaleren Einzugsbereich, sowie einer entsprechenden Kapazität für Besucher, hieß es.

 

Ein trauriges Ende für die Stadt Leipzig, möchte man meinen. Jedoch verstand der damalige Veranstalter, die Messe Leipzig GmbH, schon 2009, dass dies nicht das Ende für Leipzig als Austragungsort für Spieleveranstaltung sein muss und dass es durch den anhaltenden Online-Spiele Boom weitere Anbindungsmöglichkeiten für Events geben würde. Und obwohl die sogenannte Games Convention Online floppte und nach zwei Jahren, 2011, wieder abgesagt wurde lagen die Veranstalter mit der Idee richtig. Denn, eine große Anzahl der Millennium-Gamer-Generation spielte nunmehr größtenteils online und wuchs über die Jahre zu einer eignen und finanzstarken Gesellschaftsschicht zusammen, die ambitioniert und interessiert darin war, geschickter und besser zu werden. Selbst die bis dahin eher zögernd angenommenen Casinospiele haben bei den Millenials online an Beliebtheit gewonnen. Das Prinzip von internationalen Rankings zog ein gesteigertes Interesse für Spiele die einem den weltweiten Vergleich erlaubten nach sich. Es gab also durchaus Nährboden und eine neue Generation von Gamern auf denen ein neues Spiele-Event wachsen könnte.

 

2016 war es dann soweit; mit der ersten DreamHack Veranstaltung in Deutschland war Leipzig wieder auf der Gaming-Landkarte der Welt zu finden. Das neue Interesse an Online-Gaming und E-Sport spiegelt sich in dem wahnsinnig rapiden Wachstum der DreamHack wieder, die 2006 im Schwedischen Elmia Messezentrum in Jönköping begann und mittlerweile jährlich auch in London, Tours, Moskau, Austin und eben Leipzig stattfindet. Dabei war die Leipziger DreamHack schon im ersten Jahr so erfolgreich, dass die Veranstalter sie für 2017 um ganze fünfzig Prozent vergrößert haben. Es gab LAN-Veranstaltungen, Profi- und Amateur-Turniere, einen Austellerbereich für Gaming-Hardware und eine ganze Reihe an Cosplay und Twitch Events.

 

So ist nun endlich wieder ein Gaming-Ereignis in der alten Heimat angekommen. Dass Enthusiasmus und ein Publikum Vorort ist, beweist auch die erfolgreiche Retro-Gaming Veranstaltung „Lange Nacht der Computerspiele“, die seit 2007 von der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) jährlich veranstaltet wird. Dabei hat die DreamHack mit Preisgeldern zwischen 50.000 und 100.000 Euro für die Profi-Tourniere aber ein ganz anderes Format und Ambiente. Leipzig darf sich wieder als Zocker-Hauptstadt Deutschlands feiern.

 

Nur sollten sich die DreamHack Leipzig Veranstalter nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, denn E-Sport wird weltweit immer beliebter und Profi-Turniere sind wahre Streaming-Attraktionen geworden. Und obwohl auch die zweite DreamHack als ein voller Erfolg einzuschätzen ist - es kamen wieder um die 13.000 Besucher und auch die teuersten LAN-Plätze, für knapp 250 Euro zu haben, waren binnen kürzester Zeit ausverkauft - muss aktiv daran gearbeitet werden, um die besten Profi-Spieler-Teams der Welt nach Leipzig bringen zu können. So beschreibt es auch der Erfahrungsbericht von der DreamHack 2017 auf GameStar, denn die Profi-Turniere fielen etwas unbeeindruckender als erwartet aus. Es kam einzig das deutsche Team BIG (Berlin International Gaming) und Flipsid3, was nur daran lag, dass zwei Wochen später in den USA das E-League Major 2017 stattfand und die meisten Teams ihre Vorbereitungsphase nicht für die DreamHack unterbrechen wollten. Jedoch ist bei dem Andrang auf die LAN-Plätze nicht zu erwarten, dass die Zukunft der DreamHack in Leipzig gefährdet ist und das wird auch wohl noch lange so bleiben, denn Leipzig ist einfach eine Gaming-Stadt.

Fotos: Flickr