Katholikentag 2016 in Leipzig

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Gestern ging der Katholikentag (welcher im Grunde fast eine ganze Woche war) zu Ende. Die Frage die sich nun im Nachhinein für alle stellt ist: hat es sich gelohnt, eine solch christliche Veranstaltung, in einer angeblich ungläubigen Stadt durchzuführen? Die Antwort ist ein überdeutliches „Ja!“. Egal von welchem Standpunkt man Erfolg auch messen mag, der Katholikentag 2016 hat in Leipzig ein würdiges Zuhause gefunden.

Dabei schien die Ausgangslage gar nicht mal so rosig zu sein. Eine katholische Großveranstaltung im Osten? In der eher konfessionsfreien Stadt Leipzig? Kann das überhaupt funktionieren? Und dann schien der Aufruf, den gläubigen Gästen eine Übernachtungsmöglichkeit zu bieten, noch auf taube Ohren zu stoßen. Das kann doch nicht gut gehen, oder? Doch und wie! Denn trotz all dem Zweifeln, trotz all den großen Bedenken, machte Leipzig und seine Bewohner einfach das, was sie am besten können: weltoffen sein. Ausschreitungen gab es nicht zu beklagen und wenn der Katholikentag etwas war, dann ein großes Miteinander.  Kaum verwunderlich, dass bei so einer entspannten Atmosphäre, die Besucherzahl  mit jedem Tag immer ein Stück weiter anstieg und dabei die 40000er Marke locker knackte. Highlight dabei war der Abschlussgottesdienst am Sonntag, an dem ca. 20000 Gläubige teilnahmen.  Da kann man fast schon von göttlicher Fügung sprechen, dass Leipzig so ziemlich der einzige Ort in Deutschland war, der von Regen und Unwetter verschont blieb. Katholikentag 2016

Alles also Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht ganz. Denn auch Religion kann, das Weltgeschehen nicht einfach ignorieren. Und so war der Katholikentag 2016 in Leipzig politischer, als es wohl einigen lieb war. Kardinal Reinhard Marx sprach sich für größere Einmischung in die Politik aus. Vorher distanzierte man sich vehement von der AFD und offen wurde sich für und nicht gegen die Flüchtlingspolitik ausgesprochen. Selbst Themen wie TTIP, CITA, TISA wurden am Rande besprochen.  Wer Ablenkung oder sogar eine kurze Flucht von der Weltpolitik suchte, wurde bitter enttäuscht. Religion und Staat mögen zwar laut Gesetz getrennt sein, gegenseitig ausschließen können sie sich aber nicht. „Seht, da ist der Mensch“, hieß immerhin das diesjährige Thema und der Mensch ist eben nicht nur sein politisches Handeln und nicht nur seine religiöse Einstellung, sondern die Gesamtheit seiner Taten. 


Redaktion: Eric Dolge
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