„Ich will nicht, dass ihr Sandsäcke auf der Straße seid“ – Unser Besuch bei Slowmotion - Die Kunst zu Siegen

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Als Viktor uns die Tür zu seinem Studio öffnet, begrüßt uns kein Schrank mit Tattoos und mit Muskeln vollgepackt. Keiner, von dem man denken würde, der faltet eh jeden mit links zusammen. In seinem kleinen aber stilvoll eingerichteten Studio findet man jedoch auch keine Turnhallenathmosphäre, wo man sich auf schäbigen Gummimatten abwechselnd auf den Boden schickt. Bei „Slowmotion-Die Kunst zu Siegen“ geht es um ein ganz anderes Konzept.

Und das erklärt uns Viktor auch gleich direkt nach kurzem Schuhwechsel.

Seit Frühjahr dieses Jahres besitzt er das Studio in der Scharnhorststraße 22. Gelernt hat er bei Perry Otte in Dresden. Das System der slowmotion Selbstverteidigung erlernte er dabei unter anderen Leitsätzen. „Ich will euch nicht zeigen, wie ihr besondere Taktiken zur Selbstverteidigung erlernt. Dafür habt ihr im Ernstfall kaum Zeit. Wir bei slowmotion fokussieren uns auf die effektiven Möglichkeiten der Selbstverteidigung“, erklärt uns Viktor. Das Spezielle an seinem Unterricht: er trainiert die Technik in langsamen Simulationen am Trainingspartner, eben slowmotion. Das erlernte Verteidigungswissen wird allerdings nie ganz and den Punkten Nase, Kehlkopf und Unterleib ausgeführt, sondern an den betreffenden Stellen nur angedeutet. Es soll schließlich gelernt und trainiert und niemand ausgeknockt werden. Eine weitere Besonderheit: Die Schlag- bzw. Trittintensität wird am Bauch und den Beinen des Trainingspartners geübt und nicht an einem Sandsack, so dass dieser direkt Feedback geben kann, wie intensiv dein Schlag auf seinen Körper trifft und da diese Muskelregionen widerstandsfähiger und schmerzunempfindlicher sind. So entsteht langsam aber sicher eine immer bessere Einschätzung für den eigenen Kraftaufwand. Was wir auch schnell am eigenen Leib merken.  


Im Mittelpunkt des Trainings stehen also das eigene Körpergefühl, Balance, Timing und Präzision. Das Wichtigste hierbei für die Teilnehmer ist es, das richtige Verständnis zu bekommen, seine Körperkraft im richtigen Moment an der richtigen Stelle wie Kehlkopf oder Nase gegen einen potentiellen Angreifer zu nutzen. Geübt wird das am Bauch oder an den Beinen des Gegenübers, da diese Muskelregionen widerstandsfähiger und schmerzunempfindlicher sind.

„Man braucht keine besonderen Kräfte oder muss sehr sportlich sein. Ich trainiere das, was jeder auf der Straße im Ernstfall umsetzen kann. Wenn du weißt, was du tun musst, hast du die beste Chance“, antwortet Viktor mir auf die Frage, ob jeder „slowmotion- Die Kunst zu Siegen“ erlernen kann, während er uns das, was er sagt auch direkt mit seiner Auszubildenden Isi vormacht. Er geht auf sie zu und simuliert eine Situation, wie sie jeder/m draußen passieren kann: Man wird ungewollt bedrängt, fühlt sich unwohl und hat keine guten Aussichten auf Hilfe. Viktor und Isi zeigen uns, wie in solchen Situationen reagiert werden kann, ohne sich selbst ungeschickt in mehr Gefahr zu bringen.

Viktor ist es wichtig, dass seine Art der Selbstverteidigung nicht mit gängigen Sportformen wie Kickboxen oder Karate, aber auch nicht mit stumpfer Gewaltanwendung verglichen wird. Sein Training soll wirklich als Verteidigung im Ernstfall angesehen werden. „Wenn es hart auf hart kommt, hast du keine Zeit zu hoffen, dass eine bestimmte Taktik funktioniert. Du musst wissen, welcher Schlag dir das Leben rettet und musst dir bewusst werden, dass du das auch kannst“, bringt Viktor die Philosophie auf den Punkt.

Und Selbstverteidigung ist nicht nur etwas für Frauen. Natürlich nehmen sie den Großteil seiner Kundschaft ein, so Viktor, aber neben reinen Frauenkursen bringt er die slowmotion Selbstverteidigung auch Männern bei.

Weitere Informationen, sowie Auskünfte über die angebotenen Kurse findest du auf der Webseite von Slowmotion oder über unser Freizeitangebot.

Wir danken Viktor und Isi für die lehrreiche Stunden und fühlen uns jetzt um einiges sicherer auf der Straße.

Text und Bilder: Josefine Stollberg (Redaktion)